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Jaroslav
Seifert
(1901-1986) |
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Der
tschechische Schriftsteller Jaroslav Seifert wurde am 23. September 1901
in Prag geboren. Er arbeitete bis 1950 als Journalist, danach wurde er freischaffender Schriftsteller mit Vorliebe fur die Dichtung. Sein Debut (Stadt in Tranen) feierte er bereits 1920; er gehorte der Avant-Garde-Gruppe Devetsil an. Eine Auslandsreise brachte Seifert in Kontakt mit den franzosischen Modernisten und Dadaisten. Nach seiner Ruckkehr wurde er Mitglied der "Poetists". Ein Besuch in der Sowjet Union 1925 machte ihn noch kritischer gegenuber der Revolution und fuhrte 1929 zum Bruch mit der kommunistischen Partei. Stattdessen wurde Seifert Mitglied der sozial-demokratischen Partei, ein Schritt, der ihm spater vorgeworfen wurde. |
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| In
den Banden "Kablko s klina" 1933, "Ruce Venusiny" 1936
und "Jarosbohem" 1937 entwickelte Seifert eine Schreibart in Form
eines klassischen Liedtexes des taglichen Lebens, die als Hohepunkt der
tschechischen Dichtkunst angesehen wird.
In den spaten 30er Jahren,
in den Zeiten der Bedrohung und anschliessenden Besetzung der Tschechoslowakei
durch die Deutschen, entdeckte Seifert patriotische Themen fur seine Dichtungen.
Mit seinen folgenden Banden "Svetlem odena" 1940 und "Kamenny
most" 1944 lieferte er sogenannte Widerstands-Dichtungen ab mit dem
Ziel, das nationale Selbstvertrauen zu starken. |
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| Die kommunistische
Uebernahme seines Landes stellte fur Seifert eine grosse Enttauschung dar.
Er schrieb "Pisen o Viktorce" 1950, in dem er den Staat beschuldigte,
sein Volk verraten zu haben. Dieses Buch fuhrte zu Seiferts politisch unumstrittenen
Dichtungen, die dennoch oder gerade deshalb grosse Erfolge feierten. Zu
diesen Arbeiten zahlen auch "Mozart v Praze" 1951, "Maminka"
1954 und "Chlapec a hvezdy" 1956.
Eine Ansprache am tschechischen Schriftsteller-Kongress 1956, an welchem er die Politik der fruheren Jahre kritisierte und eine lange Krankheit fuhrten zur Einstellung neuer Veroffentlichungen Seiferts. Als sich das politische Klima anderte, wurde Jaroslav Seifert der Titel eines nationalen Kunstlers verliehen. In den darauffolgenden Jahren publizierte er drei neue Bande: "Koncert na ostrove" 1965, "Halleyova kometa" 1967 und "Odlevani zvona" 1967. Diese Arbeiten stellten eine neue Richtung in seiner Arbeit dar und fuhrte zur Aufgabe der ordentlichen Versform. Wahrend des Prager Fruhlings
1968 setzte sich Seifert fur die Rehabilitation verfolgter Schriftsteller
ein. Er verurteilte die russische Invasion und gehorte zu denen, die ihre
Unterschrift unter die "Charta 77" setzten. 1969 wurde er zum
Prasidenten der tschechoslowakischen Schriftsteller-Vereinigung gewahlt,
wurde jedoch vom Husak Regime wieder abgesetzt. Seine grosse Rolle in
der tschechischen Welt der Literatur wurde 1984 mit der Verleihung des
Nobelpreises belohnt. |
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